Das erste Jahr

Easy Elternzeit, oder doch nicht?

Gestern hörte ich zu, wie sich zwei Männer in meinem Alter unterhielten. Wir standen gemeinsam in der Schlange beim Bäcker als ich hörte, wie er sagte: „Schon chillig, so den ganzen Tag mit dem Kind daheim.“ Der andere stimmte zu: „Nächstes mal nehm ich mir zwei Jahre Elternzeit“.

Gut, dass die beiden dann an der Reihe waren, sonst hätte ich mich ins Gespräch eingeklinkt. Wäre vielleicht ein bisschen unangenehm geworden.

Ich stand hinter ihnen mit einem vollbepackten Zwillingskinderwagen, hatte den ganzen Morgen noch nichts gegessen und hätte um ehrlich zu sein nichts lieber gemacht, als mich mal kurz zur Mittagszeit mit einer Kollegin in die Bäckerschlange gestellt und mich in Ruhe unterhalten.

Komisch, dass ich dann immer den Drang habe, mich zu äußern. Zu sagen, wie wenig chillig das manchmal ist. Was für eine große Sache wir da vollbringen und dass es der mit Abstand anstrengendste Job meines Lebens ist, ohne freie Samstage und ohne Sonntage. Dass ich keine Pause habe, keine Beförderung ansteht, so sehr ich mich auch bemühe. Dass ich keine anerkennenden Blicke ernte und egal wie hart die Tage auch manchmal sind, keine Supervision oder Pause zugesprochen bekomme.

Naja, dachte ich mir. Schön eigentlich. Sollte mehr Männer geben, die dann auch wirklich Elternzeit nehmen, wenn´s so weit ist. Es sollte aber auch mehr geben, die verstehen, was das bedeutet. Wie oft dann doch „chillig“ und „Elternzeit“ in einem Satz verwendet werden, zeigt mir immer wieder aufs Neue, wie viele es eben nicht checken.

 In Elternzeit zu sein macht Spaß und ist eine so wunderschöne und sinnvolle Aufgabe.

Aber ich will, dass die Gesellschaft sieht und würdigt, was wir da eigentlich jeden Tag abliefern. Ich will, dass es innerhalb der Beziehung Gesprächsthema ist, wer zu Hause und wer arbeiten geht. Dass es Gesprächsthema bleibt, wie es jedem in seiner Rolle geht und jeder die Anerkennung bekommt, die er verdient.

Ich will, dass wir eine Gesellschaft haben, die jeden Lebensentwurf mitträgt und fördert, damit wir uns trauen, so zu Leben, wie es zu uns passt.

Vielleicht sehe ich die beiden Herren aus der Bäckerschlange ja wieder. Auf dem Spielplatz vielleicht. Ganz chillig in Elternzeit. Freuen würde es mich ja.

 

 

 

Gestern hörte ich zu, wie sich zwei Männer in meinem Alter unterhielten. Wir standen gemeinsam in der Schlange beim Bäcker als ich hörte, wie er sagte: „Schon chillig, so den ganzen Tag mit dem Kind daheim.“ Der andere stimmte zu: „Nächstes mal nehm ich mir zwei Jahre Elternzeit“.

Gut, dass die beiden dann an der Reihe waren, sonst hätte ich mich ins Gespräch eingeklinkt. Wäre vielleicht ein bisschen unangenehm geworden.

Ich stand hinter ihnen mit einem vollbepackten Zwillingskinderwagen, hatte den ganzen Morgen noch nichts gegessen und hätte um ehrlich zu sein nichts lieber gemacht, als mich mal kurz zur Mittagszeit mit einer Kollegin in die Bäckerschlange gestellt und mich in Ruhe unterhalten.

Komisch, dass ich dann immer den Drang habe, mich zu äußern. Zu sagen, wie wenig chillig das manchmal ist. Was für eine große Sache wir da vollbringen und dass es der mit Abstand anstrengendste Job meines Lebens ist, ohne freie Samstage und ohne Sonntage. Dass ich keine Pause habe, keine Beförderung ansteht, so sehr ich mich auch bemühe. Dass ich keine anerkennenden Blicke ernte und egal wie hart die Tage auch manchmal sind, keine Supervision oder Pause zugesprochen bekomme.

Naja, dachte ich mir. Schön eigentlich. Sollte mehr Männer geben, die dann auch wirklich Elternzeit nehmen, wenn´s so weit ist. Es sollte aber auch mehr geben, die verstehen, was das bedeutet. Wie oft dann doch „chillig“ und „Elternzeit“ in einem Satz verwendet werden, zeigt mir immer wieder aufs Neue, wie viele es eben nicht checken.

 In Elternzeit zu sein macht Spaß und ist eine so wunderschöne und sinnvolle Aufgabe.

Aber ich will, dass die Gesellschaft sieht und würdigt, was wir da eigentlich jeden Tag abliefern. Ich will, dass es innerhalb der Beziehung Gesprächsthema ist, wer zu Hause und wer arbeiten geht. Dass es Gesprächsthema bleibt, wie es jedem in seiner Rolle geht und jeder die Anerkennung bekommt, die er verdient.

Ich will, dass wir eine Gesellschaft haben, die jeden Lebensentwurf mitträgt und fördert, damit wir uns trauen, so zu Leben, wie es zu uns passt.

Vielleicht sehe ich die beiden Herren aus der Bäckerschlange ja wieder. Auf dem Spielplatz vielleicht. Ganz chillig in Elternzeit. Freuen würde es mich ja.

 

 

 

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.