Das erste Jahr

Das Stillen & ich

Bevor meine Zwillinge zur Welt kamen, war ich mir ganz sicher: Ich möchte so lange wie möglich stillen und ich werde es lieben.
Ich las mich ein, informierte mich bei meiner Hebamme, bei Stillberaterinnen und war mir ganz sicher, dass es schon klappen wird. Es kam anders.

Vorneweg: Zwillinge stillen ist eine Herausforderung. Aber es ist möglich. Ich kenne einige, die ihre Zwillinge monatelang voll gestillt haben.
Wir hatten einen schweren Stillstart. Ich hatte einen Kaiserschnitt und wir verbrachten tagelang mit den Babys auf der Intensivstation. Wenige Stunden nach der Entbindung legte ich die beiden zum ersten Mal an. Immer nach dem Anlegen, so alle zwei Stunden, pumpte ich ab. Nach kurzer Zeit zeichnete es sich aber schon ab, dass meine Milch nicht für beide ausreichte. Wir fütterten deshalb zu.
Die Babys wurden immer nach dem Anlegen gewogen, um zu schauen, wie viel sie an der Brust getrunken hatten. Da die beiden sehr leicht waren und unbedingt trinken mussten, setze mich dies ganz schön unter Druck. Ständig standen Stillberaterinnen an meinem Bett, es wurden Tipps gegeben, wieder gewogen. Und nach zwei Stunden ging es wieder von vorne los.
Nach zwei Wochen Klinik, ständigem Anlegen& ständigem Abpumpen gestand ich mir ein: Der Traum, beide voll zu stillen, wird nicht aufgehen.
Zwei Monate lang funktionierte es mit dem Stillen trotzdem recht gut: Ich legte die beiden immer an, wenn sie Hunger hatten. Danach gab mein Freund die Flasche und ich pumpte ab, um den Milchfluss weiter anzuregen.
Auch wenn mich das Stillen immer weiter an meine Grenzen brachte und es mich nervte, dass gefühlt für nichts anderes mehr Zeit blieb, wollte ich weitermachen und versuchte mich immer wieder zu motivieren.
Als mein Freund wieder arbeiten ging und ich zusätzlich zum Stillen und abpumpen noch die Fläschchen geben musste, war ich endgültig an meiner Belastungsgrenze angelangt.
Ich wollte den beiden Zeit lassen, eine entspannte Atmosphäre zum Stillen schaffen, aber mein Stress ging auf sie über. Auch das doppelte Anlegen war einfach nichts für uns.
Meine innere Anspannung, meine Abwehrhaltung und der Stress, den ich tagsüber hatte, brachten mich dazu, immer weniger zu stillen. Mein Milchfluss lies nach.
Nach vier Monaten stillte ich ab. Und ja, es war eine riesengroße Erleichterung. Von mir viel so viel Druck ab, den ich mir bestimmt hauptsächlich selbst machte. Ich konnte den Babys entspannt das Fläschchen geben, hatte mehr Zeit für die beiden und auch zwischendurch (auch nachts!) ein paar ruhige Minuten für mich. Meinen Körper wieder ganz für mich zu haben, auch das genoss ich.
Es war schwer für mich, mir einzugestehen, dass ich nicht die stillende Mama war, die ich mir während meiner Schwangerschaft ausgemalt habe. Festzustellen, dass sich für mich das stillen oft wie eine Belastung anfühlte und ich viel lieber mit den beiden kuschelte und sie herumtrug. Ich habe mir Vorwürfe gemacht, als meine ersten Gedanken ans Abstillen kamen, da ich es mir doch so fest vorgenommen hatte, die beiden bis zum Beikoststart zu füttern. Und ich bin auch manchmal traurig darüber, dass ich nicht voll stillen konnte. Aber in erster Linie bin ich dankbar, eine Zeit lang gestillt und diese intensive Erfahrung zusammen mit den Babys gemacht zu haben. 
Muttermilch ist sicher super gesund, ja. Und stillen kann eine wunderschöne, innige Kuschelzeit für Mama und Kind sein. Kann- aber muss nicht. Jede Mama ist anders, jedes Baby auch. Jeder hat andere Vorerfahrungen, andere Rahmenbedingungen, andere Umstände. Manchen fällt das stillen super leicht, andere verzweifeln fast daran.
Für mich war es wichtig, mich unabhängig von anderen Erfahrungsberichten, anderen Meinungen und meinem Vorhaben zu fragen: Wie geht es mir und den Babys damit? Was spricht fürs Weiterstillen? Was dagegen?
Ich habe das Gefühl, dass kaum ein anderes Thema so viele Emotionen und Diskussionen auslöst wie das Thema Stillen. Wieso ist mir auch nicht ganz klar. Ich habe den Eindruck, dass Frauen sich- egal wie sie´s machen- rechtfertigen müssen. Zu kurz, zu lange, zu öffentlich, zu versteckt. Gerade bei einem so intimen und sensiblen Thema wünsche ich mir mehr Offenheit und Toleranz, vor allem unter Frauen. Und gegenseitiger Support- ob beim Stillen oder beim Fläschchen geben.

Bevor meine Zwillinge zur Welt kamen, war ich mir ganz sicher: Ich möchte so lange wie möglich stillen und ich werde es lieben.
Ich las mich ein, informierte mich bei meiner Hebamme, bei Stillberaterinnen und war mir ganz sicher, dass es schon klappen wird. Es kam anders.

Vorneweg: Zwillinge stillen ist eine Herausforderung. Aber es ist möglich. Ich kenne einige, die ihre Zwillinge monatelang voll gestillt haben.
Wir hatten einen schweren Stillstart. Ich hatte einen Kaiserschnitt und wir verbrachten tagelang mit den Babys auf der Intensivstation. Wenige Stunden nach der Entbindung legte ich die beiden zum ersten Mal an. Immer nach dem Anlegen, so alle zwei Stunden, pumpte ich ab. Nach kurzer Zeit zeichnete es sich aber schon ab, dass meine Milch nicht für beide ausreichte. Wir fütterten deshalb zu.
Die Babys wurden immer nach dem Anlegen gewogen, um zu schauen, wie viel sie an der Brust getrunken hatten. Da die beiden sehr leicht waren und unbedingt trinken mussten, setze mich dies ganz schön unter Druck. Ständig standen Stillberaterinnen an meinem Bett, es wurden Tipps gegeben, wieder gewogen. Und nach zwei Stunden ging es wieder von vorne los.
Nach zwei Wochen Klinik, ständigem Anlegen& ständigem Abpumpen gestand ich mir ein: Der Traum, beide voll zu stillen, wird nicht aufgehen.
Zwei Monate lang funktionierte es mit dem Stillen trotzdem recht gut: Ich legte die beiden immer an, wenn sie Hunger hatten. Danach gab mein Freund die Flasche und ich pumpte ab, um den Milchfluss weiter anzuregen.
Auch wenn mich das Stillen immer weiter an meine Grenzen brachte und es mich nervte, dass gefühlt für nichts anderes mehr Zeit blieb, wollte ich weitermachen und versuchte mich immer wieder zu motivieren.
Als mein Freund wieder arbeiten ging und ich zusätzlich zum Stillen und abpumpen noch die Fläschchen geben musste, war ich endgültig an meiner Belastungsgrenze angelangt.
Ich wollte den beiden Zeit lassen, eine entspannte Atmosphäre zum Stillen schaffen, aber mein Stress ging auf sie über. Auch das doppelte Anlegen war einfach nichts für uns.
Meine innere Anspannung, meine Abwehrhaltung und der Stress, den ich tagsüber hatte, brachten mich dazu, immer weniger zu stillen. Mein Milchfluss lies nach.
Nach vier Monaten stillte ich ab. Und ja, es war eine riesengroße Erleichterung. Von mir viel so viel Druck ab, den ich mir bestimmt hauptsächlich selbst machte. Ich konnte den Babys entspannt das Fläschchen geben, hatte mehr Zeit für die beiden und auch zwischendurch (auch nachts!) ein paar ruhige Minuten für mich. Meinen Körper wieder ganz für mich zu haben, auch das genoss ich.
Es war schwer für mich, mir einzugestehen, dass ich nicht die stillende Mama war, die ich mir während meiner Schwangerschaft ausgemalt habe. Festzustellen, dass sich für mich das stillen oft wie eine Belastung anfühlte und ich viel lieber mit den beiden kuschelte und sie herumtrug. Ich habe mir Vorwürfe gemacht, als meine ersten Gedanken ans Abstillen kamen, da ich es mir doch so fest vorgenommen hatte, die beiden bis zum Beikoststart zu füttern. Und ich bin auch manchmal traurig darüber, dass ich nicht voll stillen konnte. Aber in erster Linie bin ich dankbar, eine Zeit lang gestillt und diese intensive Erfahrung zusammen mit den Babys gemacht zu haben. 
Muttermilch ist sicher super gesund, ja. Und stillen kann eine wunderschöne, innige Kuschelzeit für Mama und Kind sein. Kann- aber muss nicht. Jede Mama ist anders, jedes Baby auch. Jeder hat andere Vorerfahrungen, Rahmenbedingungen, Umstände. Manchen fällt das stillen super leicht, andere verzweifeln fast daran.
Für mich war es wichtig, mich unabhängig von anderen Berichten, anderen Meinungen und meinem Vorhaben zu fragen: Wie geht es mir und den Babys damit? Was spricht fürs Weiterstillen? Was dagegen?
Ich habe das Gefühl, dass kaum ein anderes Thema so viele Emotionen und Diskussionen auslöst wie das Thema Stillen. Wieso ist mir auch nicht ganz klar. Ich habe den Eindruck, dass Frauen sich- egal wie sie´s machen- rechtfertigen müssen. Zu kurz, zu lange, zu öffentlich, zu versteckt. Gerade bei einem so intimen und sensiblen Thema wünsche ich mir mehr Offenheit und Toleranz, vor allem unter Frauen. Und gegenseitiger Support- ob beim Stillen oder beim Fläschchen geben.

6 Kommentare

  1. Und alles Gute. 🥰

    Gratuliete eine grossartige mama mit Zwillingen 4 Monate durch ziehen eine stolze Leistung viel Glück

    Antworten
    • Lea

      Vielen lieben Dank 🙂

      Antworten
  2. Claudia

    Ein toller Text, den ich zu 100% unterschreiben würde.

    Antworten
    • Lea

      Das freut mich sehr, dankeschön liebe Claudia!

      Antworten
    • Ruth

      Ich habe zwar keine Zwillinge, allerdings kam unser kleiner Mann 1 Monat zu früh und sehr leicht auf die Welt. Da ich in einer Klinik mit angeschlossener Kinderklinik bekommen hatte, durfte er die ersten Tage bei mir bleiben. Aber dieser Druck, dass er unbedingt eine bestimmt Menge an Milch trinken musste, das Abpumpen und der wenige Schlaf haben bei mir dazu geführt, dass bei mir die Milchproduktion erstmal total ausgeblieben ist.
      Als ich mich dazu entschieden habe, mir etwas Stress zu nehmen indem ich unseren Kleinen auf die Frühchenstation verlegen ließ und ich nach Hause entlassen wurde, ging meine Milchproduktion wieder hoch.
      Ich glaube, dass viel bei der Stillberatung falsch gemacht wird. Und mit vielen Kleinigkeiten wird der Druck so erhöht, dass gerade das Gegenteil erreicht wird. Ich finde zu einer Stillberatung sollten auch die Alternativen erklärt werden und Frauen in jeder Entscheidung unterstützt werden.
      Außerdem sollte es nicht nur die 2 Alternativen Stillen oder industrielle Premilch geben.
      Ich hatte schnell so viel Milch, dass ich ein weiteres Baby hätte ernähren können. Meine überflüssige abgepumpte Milch wurde aber weggeschmissen. Ich hätte gerne eine Mutter unterstützt, die nicht genug Milch hat, aber lieber Muttermilch füttern würden als industrielle Milch.

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      • Lea

        Ich glaube auch, dass die Stillberatung da einen großen Einfluss haben kann. Druck machen ist nie gut- gerade bei so einem emotionalen und sensiblen Thema. Für mich waren Mut machende Worte, die mich aufgebaut und mich gestärkt haben so wichtig, um dranzubleiben und nicht direkt aufzugeben. So schade, wenn man so einen Stillstart hat. Umso schöner, wie gut es dann bei dir geklappt hat! Gibt es nicht sogar Frauen, die ihre Muttermilch spenden?

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